Innerkirchliche Verteilungskämpfe

Vor einiger Zeit war ich Teilnehmer einer Diskussionsgruppe, die sich mit dem Thema „Erneuerung der Kirche“ beschäftigte. Ein gelehrter Mitstreiter formulierte die These: Achtzig Prozent der Gemeindefinanzen gehen in die Betreuung der Kerngemeinde.

Die wird mit irgendwo zwischen 3 und 8 Prozent der Gemeindemitglieder vermutet. Also offensichtlich eine Schieflage. Wäre es nicht angemessen, einen Teil der hauptamtlich tätigen Pfarrer dazu zu verpflichten, sich um die Gemeinde ausserhalb der Kerngemeinde zu kümmern, fragte ein anderer Teilnehmer?

Wenn ich mir vorstelle, wir würden in unserer Gemeinde zwei der drei Pfarrer/innen von allen bisherigen Verpflichtungen in Bezug auf Gottesdienst, Bildung, Verwaltung, Leitung, Kasualien, Seelsorge freistellen und sie beauftragen, nichts anderes zu tun als auf die bisher nicht in der Gemeinde vorkommenden Mitglieder zuzugehen und mit ihnen neue Formen von Gemeinschaft zu entwickeln – dann werde ich innerlich ganz aufgeregt. Was für eine Chance wäre das für die Menschen! Für die  Gemeinde! Für die Kirche! Aber welche Konflikte würden aufbrechen!!!

In der Runde sprach jemand von Verteilungskämpfen, die dann aufbrechen würden. Ein anderer konstatierte: Die sind doch längst im Gange.

Welcher Anteil am Jahresbudget Ihrer Gemeinde fließt in die Veränderung/Erneuerung/Entwicklung der Gemeinde?

(Bitte denken Sie jetzt nicht an die Erhaltung der Gebäude.)

 

 

One thought on “Innerkirchliche Verteilungskämpfe

  1. Vorsicht! Vernachlässigt die „Kerngemeinde“ nicht. Die letzten Umfrageergebnisse haben erbracht, dass kirchlich Distanzierte sich nur sehr schwer überzeugen lassen, in der Gemeinde vorzukommen oder sich gar zu engagieren. Die Landeskirchen und EKD finanzieren millionenschwere Programme, um diese Gruppe zu erreichen, der Erfolg ist – dort, wo er überprüft wird – bescheiden. Prof. Dr. Wegner vom SWI der EKD hat festgestellt, dass man sich auf diesen Ebenen in den letzten Jahren zu wenig um die Kerngemeinde gekümmert hat – und das hat nicht nur etwas mit Finanzmittel zu tun. Die Weitergabe des Glaubens und auch das Werben um Beteiligung am Gemeindeleben geht fast ausschließlich über persönlichen Bezug, wie der Stein, der im Wasser Kreise zieht. Ausgangspunkt hierfür ist die Kerngemeinde im weitesten Sinne (und dazu zähle ich auch die, die nur zu den hohen Feiertagen in den Gottesdienst gehen). Zwei von drei Amtsträgern für den Außendienst abzustellen, finde ich daher übertrieben. Menschenfischer sind jene, die positive Erfahrungen in der Kirche machen und das im Bekannten- und Freundeskreis und am Arbeitsplatz nach außen tragen. PfarrerInnen sind da manchmal sogar eher hinderlich, weil mit Vorurteilen und Ressentiments behaftet. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die wieder mehr Zeit und Lust hätte, sich intensiver um ihre Schäfchen zu kümmern.

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