Verkündigung – Ende eines Geschäftsmodells

Hier ist mein Fazit aus den vorangegangenen Überlegungen zum Kirchen-Marketing:

1. Das Produkt ist schwerverkäuflich, da kaum darstellbar, ohne kurzfristigen Mehrwert, ohne Garantie, und das in einer unattraktiven Verpackung mit einem intransparenten Abo-Preismodell. Kein Wunder, dass die Nachfrage gering ist.

2. Diejenigen, die für die Verteilung der „Frohen Botschaft“ zuständig sind, haben es über Jahrzehnte unterlassen, das Marketing anzupassen und zu modernisieren, und bedienen nur noch die stark geschrumpfte und überalterte Stammkundschaft.

Was man als eine betriebswirtschaftlich angemessene Reaktion verstehen sollte: Welcher Verkäufer bietet schon gerne etwas an, was keiner haben will? Richtig, keiner. (Richtig wäre dann aber auch, die vorgehaltenen Ressourcen an Finanzen, Personal und Gebäuden entsprechend zu schrumpfen oder anderweitig gewinnbringend einzusetzen).   

Was bleibt ist das: Das Geschäftsmodell „Verkündigung des Evangeliums“ ist am Ende. Es ist überholt. Alle wissen es, und machen weiter, als wäre nichts. Und genau das ist das eigentliche Problem unserer Gemeinden.

Tatsächlich ist das alles ja nicht der Beginn des Weltuntergangs, sondern vielmehr Folge einer umfänglichen Bedarfssättigung, sprich ein unglaublicher Erfolg! Die wesentlichen Bestandteile der Frohen Botschaft sind längst „common sense“ und verfassungsmässig garantiert:

  • Die Lehre von der Gnade Gottes bildet den Kern der Unantastbarkeit der Menschenwürde. 
  • Die Ebenbildlichkeit Gottes findet sich in dem die Verfassung durchdringenden Grundsatz von Freiheit in Verantwortung,
  • Das Gebot der Nächstenliebe findet sich unter dem Schlagwort „Solidarität“ überall zwischen Menschen,
  • Diakonie ist ganz selbstverständlich als gesamtstaatliche Aufgabe etabliert.
  • und selbst die zehn Gebote haben es bis ins Bürgerliche Recht und weiter bis ins Strafrecht geschafft. (Naja, zumindest fast zehn.)

Was wir als Christen für wichtig und richtig halten, wird ebenso von allen anderen, auch Nicht-Glaubenden, geachtet und geteilt. Es sind unsere gemeinsamen Werte. Was könnte uns Besseres passieren?

Dass wir damit nicht mehr die alleinigen Inhaber dieser Weisheiten sind, sollten wir nicht beklagen, sondern bejubeln. Und als nächstes überlegen, was wir sonst noch so drauf haben als Christen.

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