Verinnerlichung – Beginn eines Geschäftsmodells

Als Reaktion auf meine Überlegungen in Sachen „Kirche und Marketing“schickte mir Christoph Nötzel eine Notiz:

Zum Thema „glaubensbildende Angebote“. Ich sehe da übrigens noch einige Möglichkeiten: Exerzitien im Alltag, geistliche Übungen, theologische Seminare, Theologie und Kultur (in all ihren Sparten und entsprechend didaktisch-methodisch erschlossen), online-Kurse, Hauskreise, Einführungen in die Bibel (sog. Bibelkurse) … . Ich habe in meiner Gemeindearbeit festgestellt, dass die jeweiligen Angebote sehr unterschiedliche Personenkreise ansprechen. Am intensivsten haben sich die Angebote erwiesen, die in die geistliche Tiefe gehen. 

Er selber hat gerade das Glaubmalbuch veröffentlicht, einen in seiner Gemeinde erprobten „Glaubenskurs“ für Kinder im Grundschul-Alter und deren Eltern. Der Ansatz: Elemente des Glaubens in kindlichen Lebenserfahrungen erkennen – in Form eines Malbuchs. Ich habe das Buch und das Elternheft durchgeblättert und fand es auf Anhieb sehr gelungen. Allein die Idee, dass die Eltern – im Hintergrund unterstützt durch den Pfarrer – auf die existentiellen Fragen ihrer Kinder eingehen, ist Gold wert.

Mich hat der letzte Satz in Christophs Notiz angesprochen: „Am intensivsten haben sich die Angebote erwiesen, die in die geistliche Tiefe gehen.“ Meine über 90jährige Mutter kam mir in den Sinn. Sie hatte sich zu Weihnachten ein Buch von Johannes vom Kreuz, dem großen Mystiker nach Luther, gewünscht, bekommen, und seither dreimal durchgearbeitet. Ihr Kommentar: „Wieso erfährt man sowas nicht, wenn man jung ist. Da kann man sich sein ganzes Leben nach einrichten.“

Früher hiess es, Gott sei im Himmel 😉 . Heute sagen wir, Gott ist die Liebe – also zwischen uns. Aber wirklich finden kann ich Gott in mir.

Der Weg nach innen, in die geistliche Tiefe:

  • Dann ist der Pfarrer weniger Lehrer und mehr spiritueller Begleiter.
  • Dann ist Glauben weniger eine Sache der Bildung und mehr eine Erfahrung.
  • Dann ist der Kontakt mit Gott weniger Verkündigung und mehr (inneres) Gespräch.

Das kann ein Ansatz und eine Aufgabe für Gemeinde sein. Übrigens ein sehr zeitgemäßer, wie ich finde. Verinnerlichung, die Rückversicherung meiner selbst in meinem Innersten, ist die moderne Antwort auf die weitgreifende Fremdbestimmung unseres Selbst von aussen.

3 thoughts on “Verinnerlichung – Beginn eines Geschäftsmodells

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.