Fuß-Waschung

Der erste Beitrag auf diesem Blog hat eine unerwartete Menge an Reaktionen gebracht. Danke dafür! Insbesondere für die Ermutigungen.

Nicht wenige sind Problemanzeigen: Das Verhältnis von Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen, die Frage nach der Botschaft und der angemessenen Verkündigung, die Überlastung der Pfarrer mit berufsfremden Aufgaben. Daneben sind auch die bekannten Grabenverläufe sichtbar geworden. Also viel Stoff für ein Blog.

Ich möchte heute ein Thema aufgreifen, das FrankP angeschnitten hat: Ambiente, oder wie ich es für mich nenne: Evangelische Ästhetik. Weil mir dazu dieses Erlebnis in den Sinn kam:

Vor einigen Wochen ging es in der Predigt um die Aufforderung Jesu an seine Jünger (altdt. für Follower?), sie mögen sich untereinander so lieben, wie er sie geliebt habe.  Der Kontext: Jesus wusch ihre Füße. Soll heißen: Ich bin euer Diener.

Das sei das Wesentliche, meinte die Predigerin, und flocht die Bemerkung ein, es gehe eben nicht darum, wie hipp und modern die Gemeindezentren eingerichtet seien.

Ich war sofort erinnert an einen anderen Vortrag in jener Woche. Da hieß es: Form follows Function – mit Blick auf neue Gemeindeformen, die Inneneinrichtung der Gemeindehäuser eingeschlossen. Der Kontext: Wie erreicht Kirche die Nicht-Kirchlichen unter ihren Mitgliedern? Soll heißen: Kirche dient ihren Mitgliedern.

Füsse

Jesus sprach nicht von Einrichtung. Er sprach nicht einmal von Räumen, Gebäuden oder Kirchen. Seine Form von Gemeinde war, zu Menschen hinzugehen. In ihre Räume, ihre Gebäude.  Mit ihnen zu reden, zu trinken und zu essen, sie anzusehen und ihnen zu vertrauen.

Dass heute wäre ja mal eine neue Form von Gemeinde 😉.

2 Gedanken zu „Fuß-Waschung

  1. “Zu Menschen hingehen…” Dieses Konzept gab es ja nicht nur in der ersten Phase der “Unternehmung Kirche”. Auch heute gibt es entsprechende Bewegungen – vor Kurzem noch war ich in Großbritannien und habe mir Beispiele für diese “neue Form von Gemeinde” angeschaut. Unter dem Label “fresh X”.

    Auffallend ist allerdings schon, dass das dort nicht im Sinne von “in ihre Räume, ihre Gebäude [gehen]” geschieht, wohl aber dort, wo man sie trifft. Entweder an ihren Wohnorten oder dort wo sie arbeiten, oder ihre Freizeit verbringen…

    Und das bedeutet, dass halt dann doch wieder kirchliche Orte (im weitesten Sinne) benötigt und genutzt werden. Auch das ist umgekehrt ja auch wieder nichts ganz Neues: “…und sie waren täglich und stets beieinander einmütig im Tempel …”

    1. Das ist ein wichtiger Aspekt, dass die Kontaktaufnahme im öffentlichen Zwischenraum geschieht. Die Beymeister in Köln sind gerade an dem Punkt angekommen, wo sie einen eigenen Raum einrichten.

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