Wer hat den Schlüssel zur Kirche?

Die Kodak-Kirche

Irgendwie platzt mir gerade der Kragen. Oder eher ein Knoten? Seit Wochen gehe ich schwanger mit der Idee, ein Blog aufzumachen, in dem es um Gemeinden und um Pfarrer geht. Um all das, was ich seit fünf Jahren, solange bin ich jetzt Presbyter und Synodaler, in dieser Kirche erlebe, und was mich jedesmal aufs Neue bewegt und beschäftigt und manchmal um den Schlaf bringt. Ich habe Posts geschrieben, Layouts entworfen, Themen recherchiert – und bin dann doch immer wieder kurz vor der Veröffentlichung eingeknickt und zurückgeschreckt.

 

Weil ich ja jemanden damit verletzen könnte. Weil ich ja vielleicht ein Thema anspreche, das der Presbyteriumsverschwiegenheit unterliegen könnte. Weil ich theologischer Laie bin. Weil es mir als nur einem unter Millionen Christen nicht zukommt, mich dazu öffentlich zu äussern. Weil ich Angst habe, als Nestbeschmutzer da zu stehen.

 

Und dann, morgens beim Blick in die Blogosphäre, sehe ich ein Beitrag von luthersoehnchen mit dem Titel „Da ist doch was faul“, in dem er seinem Frust Raum und seiner Hoffnung Feuer gibt. Seine abschliessenden Zeilen:

Ich bitte also um Diskussionen. In der Öffentlichkeit. Manöverkritik ohne Selbsttäuschung.

Erst dann können wir anfangen, die Probleme auch zu lösen.
PS: Vielleicht mögen Menschen sagen: Lieber sowas nicht in der Öffentlichkeit diskutieren. Das sehe ich anders. Ich glaube, die Menschen wünschen sich eine Kirche, die sich öffnet, die die Probleme offen anspricht und vielleicht sogar Lösungen sucht.
PPS: Viele Gemeindeglieder sind da auch schon weiter. Die Leute merken doch, was läuft – bzw. was nicht läuft.
Hm.

 

Als nächstes stoße ich auf den Blogpost The Church’s Frightful Kodak Momentin dem Thom Schultz beim Besuch einer stillgelegten Kodak-Fabrik über den Niedergang der (amerikanischen) Kirche sinniert. (An alle, denen sich jetzt schon die Nackenhaare aufstellen: Thom Schultz – und ich – schreiben hier nicht von Kirche im theologischen Sinn, sondern von Kirche als von Menschen organisierte Institution.)

 

Er analysiert analog zur Kodak-Pleite:
1) Die Kirche hat ihre Aufgabe nicht verstanden,
2) sie versteht die Zeichen der Zeit nicht und
3) sie hat Verlustangst.
Fazit: Die Kirche kann genau so sterben, wie Kodak gestorben ist. Wenn es nicht eine – und jetzt benutze ich mal ein ganz altmodisches Wort – eine Umkehr gibt. Einen Richtungswechsel.

Hhhhhm.

Genau. Und deswegen zögere ich jetzt nicht länger und mache dieses Blog auf: „Pfarrbezirk“. Hier soll es um alles gehen, was uns in den Kirchengemeinden wirklich beschäftigt oder wo wir bisher wegsehen. Mit „uns“ meine ich alle, die sich mit Gemeinde verbunden fühlen, die darin aktiv mitwirken, die passiv mitfühlen,  die mit oder ohne Bezahlung mitarbeiten. Also die, die Gemeinde gestalten.

 

Ich weiss, dass wir alleine in Deutschland Hunderttausende sind. Es wird Zeit, dass wir miteinander sprechen. Ich will damit anfangen, und Sie können antworten. In den Kommentaren.

Und noch etwas: Ich weiss, wieviel Frust und Enttäuschung für viele mit dem Thema “Meine Gemeinde” verbunden ist. Wenn Sie sich darüber im Kommentar austauschen wollen, so tun Sie es. Aber bitte lassen Sie uns, auch in den Erwiderungen, nicht vergessen, dass es darum geht, Perspektiven zu finden.

 

12 Gedanken zu „Die Kodak-Kirche

  1. Das ist doch mal was! Glaubensreich ist gestartet. Viele hat die Ungeduld gepackt. Viele machen so weiter wie bisher. Kodak Pleite ist da ein gutes Stichwort… Ich stelle als Alternative mal einen Teil eines Impulsreferates ein, das ich vor einiger Zeit gehalten habe. Vielleicht ist das ein Beitrag zur Diskussion:

    Versuch einer wachstumsorientierten Gemeindeentwicklung
    o In einem Buch mit dem Titel: ‚Wie man Kunden begeistert – der Dienst am Kunden als A und O des Erfolges’ heißt es im Klappentext: „Wenn jeder dieselbe Ware oder Dienstleistung zum selben Preis praktisch überall kaufen kann, was muss ich dann tun, damit er / sie diesen Kauf bei mir tätigt und nicht woanders? Und nicht nur dieses eine Mal, sondern immer? Wie spreche ich Interessenten an? Wie überzeuge ich sie? Was muss ich tun, um aus Zufallskäufern zufriedene, ja begeisterte Stammkunden zu machen, die ganz von selbst herumerzählen, wie gut sie sich bei mir aufgehoben fühlen?“ In dem Buch wird von den Schritten erzählt, die der Verkaufsleiter einer Firma, die im Moment schlecht läuft, an der Hand eines gewissen Charlie – einer Art männlicher gute Fee – geht, um aus Kunden begeisterte Fans zu machen. Sie besichtigen ein Geschäft in einem Einkaufszentrum, das den Weg der Veränderung schon angetreten ist. Dort ist der übende Verkaufsleiter beeindruckt von der tollen Begrüßung; dem Ambiente in den Toiletten – Räumen: der Aufmerksamkeit, mit der er als Kunde behandelt wird. Beim Gespräch mit dem Firmenchef fragt er danach, wie sich die Firma das alles leisten könne. Das koste doch sehr viel Geld. Er bekommt zur Antwort: ‚Wie kann ich es mir leisten, das nicht zu tun? Wir haben hier in unserem Geschäft eine Vision: Es soll ein Vergnügen sein, hier einzukaufen. Dazu passt eine Einstellung nicht wie: Blumen sind zu teuer; ausverkauft; tut uns leid; und wenn Sie Kinder haben, dann brauchen Sie gar nicht erst herzukommen.‘ Der lernende Manager bekommt dann von dem, der schon weiter ist, 3 Geheimtipps dafür, wie man Kunden zu begeisterten Fans macht. Der erste Tipp lautet: Entscheide, was du erreichen willst! – Der zweite: Finde heraus, was der Kunde will! – Der dritte Geheimtipp ist ganz besonders abenteuerlich: Liefern plus 1! Liefern Sie das, was die Vision Ihnen vorgibt und noch ein Prozent dazu. Da geht es um Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit. – Das Buch schließt mit dem Satz: ‚Wie wäre es, wenn wir die Augen schließen und uns ein paar Minuten lang sehr intensiv die Kunden vorstellen, die unsere Produkte verwenden?’
    o Gemeindeentwicklung ist kein Verkaufsförderungstraining, sondern ein gezielter, vom unerschütterlichen Glauben an Gottes Leidenschaft für die Welt geprägter Anstoß. Bei der Lektüre dieses Buches habe ich auf fast jeder Seite innerlich ge-sagt: ‚Ja, genau. Das ist es. Diese Leidenschaft, mit der sich Leute, die Geld verdienen wollen, um ihre Außenwirkung, um ihre Kundschaft bemühen, stände uns in der Kirche Jesu Christi mindestens so gut zu Gesicht, wie den Händlern und Kaufleuten.‘
    o Verantwortliche Menschen in einer Kirchengemeinde haben zu fragen, was wohl die Kunden, sprich die Menschen, zu denen Jesus seine Jüngerinnen und Jünger geschickt hat, wünschen und brauchen. Wie können sie und noch viele andere Menschen zu begeisterten Evangeliums – Fans gemacht werden? Darum fragen wir nach der Wirkung unserer Gemeinden und Kreise. Wir wollen mit anderen zusammen christliches Leben praktizieren. Wir treffen uns nicht auf einer grünen Wiese. Wir treffen uns im Rahmen einer Kirchengemeinde. Wie erleben Menschen unsere Gemeinde? Wie wirkt sich die Existenz unserer Kirche in unserem Ort aus? Trägt unsere Gemeinde dazu bei, dass das Evangelium begeisterte ‚Fans‘ bekommt? – Weiter gefragt: Welchen Eindruck nimmt jemand mit, der zum 1. Mal in unsre Gruppe kommt?
    o Es ist besser lange daran zu arbeiten, die richtige Frage zu stellen, als immer wieder bekannte Richtigkeiten zu hören. Richtige Fragen sind die, die uns wirklich unter den Nägeln brennen – wie bei dem Beispiel aus dem Geschäftsleben die Frage nach den begeisterten Kunden. Was muss geschehen, damit die Leidenschaft für das Evangelium zu einer brennenden Angelegenheit wird?

    1. Lieber Hermann Kotthaus,

      danke für den ausführlichen Kommentar – er übersteigt meinen ohnehin schon langen Beitrag locker 😉 .
      Ich finde es hilfreich, mit Bildern und Modellen aus der Betriebswirtschaft zu arbeiten, wenn es um Gemeinden geht. Warum nicht, wenn es der Erkenntnis dient? Vielleicht hilft hier, bevor wir über die Frage nach begeisterten Kunden nachdenken, auf die 4Ps zu schauen: Product, Place, Price & Promotion. Das Produkt steht am Anfang. Und da – so scheint es mir – herrscht bei der anvisierten Kundschaft weitestgehende Unklarheit. Was bieten wir eigentlich an? Wo ist der Nutzwert? Warum sollte ich das haben wollen?

  2. Beim Thema “Ambiente in den Toiletten” fällt mir ein Einzelaspekt (“Place”) ein, aber einer, den ich durchaus spannend finde – und vor allem vielleicht ein “guter kleiner Schritt”, der sich relativ leicht gehen lässt: Mal zu fragen, wie unsere Gemeindezentren / Kirchen wahrgenommen werden – rein optisch!

    Wir können das bei uns längst nicht mehr selbst einschätzen, meine ich – die durch Gewöhnung entstehenden blinden Flecken sind dafür viel zu ausgeprägt. Deshalb: Ladet mal ein paar völlig Gemeindefremde zur Besichtigung ein und fragt sie, was ihnen an und in den Bauten auffällt, was ihnen fehlt, was ge- und was missfällt, was auf sie wie wirkt… das kann ziemlich aufschlussreich sein.

    Ich erinnere mich, dass ich bei meinem ersten Besuch unseres hiesigen Gemeindezentrums – ich war frisch umgezogen – zunächst nicht einmal den Eingang fand: Der architekturpreisgekrönte Bau eines international bekannten Architekten aus den 1960er Jahren muss nämlich durch eine Art dunklen, abgewinkelten “Tunnel” betreten werden. Ich dachte damals, das ist die Ecke, wo die Mülltonnen rausgestellt werden…

    Inzwischen haben wir immerhin eine angemessene Beleuchtung hergestellt und ein Schild darüber gehängt, dass es sich um ein Gemeindezentrum handelt. 🙂

  3. Hallo zusammen. Alles stimmt, Herr Kotthaus. Ich ergänze die folgenden Fragen, die vor der”Eröffnung des Ladens” geklärt sein sollen:
    Macht es mir Freude, in der Kirchengemeinde mit zu arbeiten? Kann ich meinen Talenten entsprechend mitmachen? Kenne ich meine Talente? Kennen die anderen meine Talente? Wie ist das Verhältnis zwischen HA und EA? Ziehen wir an einem Strang? Weiß die linke von der rechten Hand? Gehen wir menschlich miteinander um?

    Es gibt den schönen Satz: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Kennen wir den Geschmack der Fische? Schaffen wir es, dass sie unsere Würmer mal ausprobieren?

    Es gäbe noch tausend Dinge. Ich freue mich auf dem Blog.

  4. Lieber Herr v. Richthofen,
    Ihr Blog könnte ein sehr spannender Blog werden… ich werde ihn verfolgen, denn es würde mich freuen, wenn endlich in Deutschland wirklich eine Diskussion über die Kirche als Organisation in Gang kommen würde, in der auch kritische Geister zu Wort kommen.
    MfG
    Stefan Scherer

  5. Lieber Herr von Richthoven,

    das sind spannende Fragen, die Sie da aufwerfen und die sich zum großen Teil auch mit unseren Beobachtungen von KirchenBunt decken. Leider wird viel Potential vor Ort seit Jahren durch eine Umstrukturierung, die den Gemeinden und ihren “Fans” Kompetenzen nimmt, durch Verwaltungsstrukturreform und NKF geschmälert. Und nach wie vor gibt es eine schleichende Umverteilung der finanziellen Ressourcen (z.B. auch durch den “Erweiterten Solidarpakt”, der in der Kirche kaum bekannt ist und an manchen Synoden vorbei in kleinem Kreis beschlossen wurde). Das Formale nimmt sehr großen Einfluss auf den Inhalt – es müsste aber umgekehrt sein. Es gibt zwar den einen oder die andere in den Landeskirchenämtern, die inzwischen zum Nachdenken, manche auch zum Umdenken gekommen sind. An der Basis und auf der Kirchenkreisebene sind diese Einsichten aber noch lange nicht angekommen.

    Was zählt ist das Fundament, das die Kirche trägt und der Eckstein, der sie zusammenhält. Alles andere ist Bei- und Menschenwerk. So wird Kirche zu einem großen Haus, in dem es viele Zimmer mit unterschiedlichen Einrichtungen gibt. Vieles wird man darin finden, eines jedoch nicht: verschlossene Türen. Denn bei allen Unterschieden: Wer in diesem Haus lebt, gehört zur Familie und ist in jedem Zimmer zu Hause. Ich finde, das ist eine sehr stimmige – und vor allem unkomplizierte – Vision von Kirche, die zu realisieren sich lohnt. Womöglich ist diese einladende Offenheit in ihrer Vielfalt eine der Kernkompetenzen, auf die sich die Kirche besinnen sollte, um wieder für Menschen attraktiver, zumindest aber glaubwürdiger zu werden. Es würde vieles möglich, aber wenig nötig machen. Derzeit machen wir aber vieles nötig, und wenig möglich.

    An einer anderen Stelle (Pfarrer R.I.P) machen Sie auf den Pfarrermangel aufmerksam. Diese Hebel wird z.B. argumentativ genutzt, um Pfarrstellenbesetzungsrechte auf die mittlere Ebene zu heben. Ob jede Gemeinde mit einem Pfarrer ausgestattet sein muss oder überhaupt kann, sollte jedoch in die Verantwortung der Gemeinde gelegt werden und nicht mittels Regionalisierungen von Dekanaten oder Kirchenkreisen bestimmt werden.

    Leider hat man in den letzten Jahren über den Versuch, die “Distanzierten” ins Boot zurückzuholen, die Kerngemeinde, die ja laut Umfragen gewachsen ist(!), aus den Augen verloren, Vorurteile entwickelt und dann mit “Kirche der Freiheit” ein Konzept aus der Tasche geholt, das für die Basis befremdlicher nicht sein konnte. Immerhin hat die neue KMU einen Perspektivwechsel erbracht, davor auch schon andere Studien, die die Gemeinden wieder in den Blick genommen haben. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Ergebnisse auf der EKD- und der Landeskirchenebene, wohl auch in manchen Kirchenkreisen und Dekanaten ungern zur Kenntnis genommen werden, da sie vielem, was in den letzten Jahren reformiert wurde, widerspricht.

    Beispielhaft kann man das an den Verlautbarungen zu den Kirchensteuereinnahmen sehen. Wie die sich in Zukunft entwickeln werden, ist höchstens für die kommenden zwei, drei Jahre vorhersagbar – alles andere ist unverantwortliche Kaffeesatzleserei, zumal wenn man darauf basierend weitreichende Entscheidungen trifft, die zum Abbau von Kirche vor Ort führen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass man hier mit allen Prognosen so richtig falsch lag. Und man sage nicht, das wäre nicht abzusehen gewesen – es gab andere Stimmen, nur die wurden belächelt. Wir sind weit weniger von der Kirchensteuer abhängig, als behauptet wird. Die “Einfache Formel” (1% weniger Gemeindemitglieder = 1% weniger Einnahmen) hat sich als vollkommen falsch erwiesen. Dafür ist man umso erfindungsreicher, wenn es darum geht, ein Horrorszenario nach dem anderen an die Wand zu malen. Die Gemeinden wurden mit scheinbar drohenden Finanzeinbußen – ich sage es einmal bewusst böse – “gefügig” gemacht, um neue Strukturen durchboxen zu können. Korrigiert wurden die Sparprogramme auch nicht – trotz anderer Entwicklungen. Wir von KirchenBunt e.V. verspüren da eine große Menge Frust, aber auch Lethargie und Entfremdung. Und die macht uns große Sorgen.

    Einer Ihrer Äußerung möchte ich jedoch widersprechen: Mit Bildern und Modellen aus der Wirtschaft kommen werden wir den Problemen, die wir derzeit haben, nicht beikommen. Das ist inkompatibel und hat sich in vielen Bereichen gerade bei den derzeitigen Reformprozessen auch gezeigt. Es ist nichts dagegen zu sagen, einmal über den Tellerrand zu schauen. Aber hier gilt Pauli Rat: Prüfet alles und das Gute behaltet. Ud zwar da, was der Kirche gut tut. Das sind die Gemeinden vor Ort. Wer sie schwächt, sägt am Ast unserer Kirche.

    Ich wünsche Ihrem Blog viel Erfolg. Wir merken, dass es schwierig ist, nicht nur mit Presbyterien und Kirchenkreisen in einen offenen und ehrlichen Dialog einzusteigen, es gibt bei manchen Themen auch Repressalien von oben und von der Seite. Denn die Diskussionskultur und das Hören auf Meinungen, die nicht dem Mainstream zuzuordnen sind, ist in weiten Teilen unserer Gremien verkümmert.

    In diesem Sinne: Gottes Segen für Ihr Projekt.

    1. Sehr geehrter Herr Reinhold,

      danke für Ihren umfänglichen Beitrag. Als regelmässiger Leser bei kirchenbunt.de bin ich mit den Fakten, Meinungen und Haltungen, die Sie hier noch einmal komprimiert einbringen, gut vertraut. Oft haben Sie mich ins Grübeln gebracht.

      In meiner Wahrnehmung handelt Kirchenbunt wesentlich von der Beziehung zwischen „denen da oben“ (EKD, Landeskirche, Kirchenkreise) und „uns hier unten“ (Gemeinden und ihren Pfarrern). Dieses Verhältnis ist ja in der Tat belastet, mancherorts sogar zerrüttet, und für viele mit Schmerzen verbunden. Wieviel Wut, Ohnmacht und Enttäuschung habe ich da in den Gesprächen schon erlebt – auf allen Seiten!

      Ich persönlich setze nicht darauf, dass in nächster Zeit aus dieser Beziehung heraus Weiterführendes entstehen wird. Sie ist Teil des Problems, nicht der Lösung.

      Auch deswegen habe ich dieses Blog gestartet: Weil ich mit Ihnen überzeugt bin, dass wir zuerst als Gemeinden Kirche sind, und nicht als Institution oder Überbau. Ich glaube, dass wir als Gemeinden den Schlüssel finden können und sollen.

      Aus diesem Grund will ich die verfahrene Beziehungskiste in diesem Blog gar nicht erst zum Thema machen. Ich möchte auf das schauen, was wir, was Gemeinde tun kann. (Ausserdem: Ihre Perspektive ist ja bei Kirchenbunt bestens untergebracht.)

      Ein weiteres ist mir wichtig anzusprechen: Ich empfinde mich als in der Mitte von Gemeinde stehend, voll im Mainstream. Und möchte dieses Blog auch da angesiedelt wissen. Mag sein, dass das in dem einen oder anderen Gremium so noch nicht wahrgenommen wird. Auch deswegen sollten wir miteinander sprechen.

      1. Lieber Herr von Richthoven,

        es freut mich, dass wir in vielem ähnlich denken – nämlich von der Basis her. Ich denke auch, dass sich kirchebunt.de und pfarrbezirk.de durchaus ergänzen und Sie mit Ihrem Blog noch einmal eine andere Facette in der Diskussion beleuchten.

        Ich befürchte allerdings, dass es ohne Klärung des Verhältnisses von Kirchenkreisen und Landeskirche und den Gemeinden kaum möglich sein wird, adäquate Lösungen für die derzeitigen Probleme zu finden, denn – wie Sie ja selbst sagen – liegen hier viele der Gründe, die für den Unmut an manchen Stellen sorgen (ich war gerade bei einer Kreissynode im ländlichen Raum und habe wieder einmal erlebt, wie Entscheidungen und Vorgaben “von oben” Arbeit “von unten” erheblich erschweren).

  6. Kirche muss von Gemeinde aus gedacht werden, meine ich. Von dort aus wird sie nämlich auch er- und gelebt. Das bedeutet für mich, dass ich mich zuerst mit der Gemeindeebene beschäftigen will: Hier entstehen und wachsen in einem erlebbaren und gestaltbaren sozialen Raum Beziehungen zwischen Mensch und Gott, Mensch und Mensch. Gemeinden werden auch als wesentliche Schnittstelle zwischen “innen” und “außen” wahrgenommen. Und hier können Veränderungen auch von Leuten wie mir aktiv (mit)gestaltet werden – inklusive Erfolgserlebnis! Ich hoffe, gerade dafür hier im Blog Impulse, Beispiele und Erfahrungen zu finden.

    Eine krasse “Frontstellung” zu den Mittelebenen und zur Landeskirche nehme ich dabei nicht so wahr.. Da gibt es an vielen Stellen guten Willen und auch gutes Tun! Und vergessen wir mal nicht: Superintendenten sind nicht einfach “die da oben” sondern von den Kreissynoden gewählt worden. Und sie setzen häufig auch lediglich die Vorgaben von Kreissynoden (also von uns) um. Also – ich möcht’ keiner sein…

    1. Lieber FrankP,

      den ersten Abschnitt Ihres Kommentars kann ich voll und ganz unterstützen!

      Zum zweiten Abschnitt nur so viel: Ich komme gerade von einer Kreissynode auf ländlichem Raum, wo ich die “krasse Frontstellung” sowohl zwischen der mittleren und Gemeindeebene als auch zwischen Kirchenkreis und Landeskirche wieder einmal erleben konnte. Keine Frage: Alle Seiten mögen sich bemühen, das beste zu wollen. Allerdings habe ich mehr und mehr den Eindruck, dass die Vorstellungen davon, was das ist, zwischen den Ebenen weit auseinander klaffen bzw. diametral gegeneinander stehen. Die Reformprozesse haben alle Seiten ein strukturelles Korsett verpasst, das den Gemeinden die Luft zum Atmen nimmt.

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