Die depressive Gemeinde

Kürzlich bezeichnete ein leitender Mitarbeiter einer Landeskirche dieselbe als „depressive Organisation“. Ich hab das mal gegoogelt und komme auf diesen Text:

Auch Organisationen können krank werden

Mit Blick auf unsere Gemeinden als Organisationen und ihre Pfarrer als Führungskräfte habe ich den Text von Frau Nowotny mit der „Ersetzen“-Funktion des Schreibprogramms umgemünzt auf unser Thema. Hier das ausschnittweise Ergebnis:

Die depressive Gemeinde

Hier steht Inaktivität und ein massives Vertrauensdefizit im Vordergrund. Passivität der Mitarbeitenden, mangelndes Interesse an der Außenwelt und den Marktbedingungen, starke Innenorientierung. Bei den dominanten Pfarrern liegt meist ein schwach ausgeprägter Selbstwert vor, Leitung erfolgt ziellos.

Kommt Ihnen das bekannt vor? Mir schon. In welche der von Margit Nowotny  (nach Kets de Vries) zitierten Kategorien würden Sie Ihre Gemeinde einordnen?

Ich frage mich, wie man in einer depressiven Organisation als Mitarbeiter innerlich überleben kann. Eine Antwort:

„Augen zu und durch. Ich halte mich an meine Aufgabe und schaue nicht auf den Zusammenhang.“

Wenn ich auf die prall gefüllten Veranstaltungskalender mancher Gemeinden und Kirchenkreise sehe, oder auf den Reform-Eifer von Landeskirchen, dann vermute ich da eine weitere Reaktion: Verdrängung durch Betriebsamkeit.

„Wir machen alles, was man machen kann. Aber ohne Effekt.“

So wird aus der depressiven schnell eine manische Organisation. Mindestens aber eine Burn-Out-Brutstätte.

Margit Nowotny  zieht dieses Fazit:

„Pathologische Kulturen sind letztlich erfolgsverhindernd. Insbesondere bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter werden sie zukünftig mit größeren Schwierigkeiten zu rechnen haben. Die Generation Y wird sich solchen Kulturpathologien zu entziehen wissen, durch alternative Arbeitsmodelle, Teilzeitlösungen oder Kündigung.“

Ich ahne, das betrifft nicht nur den Pfarrer-Nachwuchs, sondern auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter.

 

 

One thought on “Die depressive Gemeinde

  1. Ich würde es nicht unbedingt als depressive Gemeinde beschreiben und wahrnehmen, weil das auch gewisse pathologische Konsequenzen hat, von denen ich nicht so sicher bin (und auch nicht hoffe), dass sie treffen. Es gibt jedoch das Phänomen der erschöpften Gemeinde, der Gemeinde, die einfach nur noch groggy ist und das oftmals auch ausstrahlt: d.i. eine Gemeinde in der alle hin und her hetzen und ohne Sinn und Verstand funktionieren, um die Kreise, weil es immer schon so war, aufrechtzuerhalten, um sich einzumischen in die Bürgergemeinde, weil man ja auch in die Welt hinaus muss, um beim Schützenverein mitzumachen oder bei den Bürgervereinen und hier noch rasch für ein Event im Kirchraum zu sorgen, weil man ja dazu gehört…. Für einen Spielstopp sorgen und sich für gewisse Zeit vom Netz nehmen, wäre vielleicht ein guter Therapieversuch. Kirche und Gemeinde unplugged. Alles ausschalten, was drumherum für Stress sorgt. Allein Gott feiern, bescheiden, nicht prätenziös, mit einfachen Formen – Luft holen und mal sehen, was dann passiert.

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