4p: Umgehungskosten und Mediaplan

Der Preis für die Unterricht in Glaubensfragen ist hoch. Er bemisst sich in Lebenszeit und -energie. Wer sich das christliche Welt-, Gottes- und Menschenbild zu eigen machen möchte, sollte dafür mehr Zeit und Kraft investieren als nur für Bibelgesprächskreis und Gottesdienstteilnahme. Es muss lesen, sprechen, hören, denken, beten. Er muss es zum festen und ständigen Bestandteil seines Lebens machen. Vielleicht am ehesten vergleichbar ist das mit einer Berufsausbildung und -ausübung, die ebenfalls identitätsprägend sind.

Das ist eine hohe Anforderung, die einen entsprechend hohen Bedarf (im Kirchensprech:  Sehnsucht) voraussetzt. Zumal die Erfolgsaussichten dieses „Bildungsgangs“ (der Zugang zu persönlichem Seelenfrieden) in mehrerer Hinsicht ungewiss sind, das Risiko des Scheiterns tatsächlich gegeben ist. Anders ausgedrückt: Auch wenn der Kunde alles richtig macht, ist der Erfolg nicht garantiert. Das wäre dann wie eine Berufsausbildung, die trotz Bestnoten in die Arbeitslosigkeit führt. (Es ist noch nicht lange her, dass Pfarramts-Anwärter das schmerzhaft erlebten).

Damit stellt sich für den „Kunden“ betriebswirtschaftlich die Frage nach den Umgehungskosten: Wie kann er dasselbe Ziel auf anderem Weg mit weniger Aufwand erreichen?

Umgehungskosten

Mir scheint bei ernsthafter Betrachtung nur ein Weg in Frage zu kommen: Der der charismatischen Bewegungen. Sie verfolgen eine komplett andere Marketingstrategie. Sie setzen nicht auf Bildung, sondern auf Erleben. „Gott ist ein Gefühl“ ist das Marketing-Motto. Das macht Sofort-Bekehrungen möglich, der Nutzen ist ohne Aufschub erhältlich. In einer Zeit, in der die sofortige Verfügbarkeit ein hoher Wert ist, ist das ein wirksames niederschwelliges Marketing-Instrument.

An diesem Punkt der Überlegungen wird sichtbar, dass diejenigen, die als Kind durch die eigene Familie in den christlichen Glauben eingeführt werden, einen klaren Vorteil haben. In Verbindung mit dem Konfirmationsunterricht verfügen sie über ein zumindest basales Wissen, das auch ohne weitere kirchliche Unterstützung als Orientierungsrahmen fürs Leben reichen mag und als Grundlage für die weitere nicht-kirchliche Auseinandersetzung mit Glaubensfragen geeignet ist.

Kirchensteuer-Mischkalkulation

Nach ständiger Auffassung unserer Kirche ist die Taufe, und damit die Kirchensteuerpflicht, Voraussetzung für den Zugang zum Heil. Womit es beim Preis dann auch tatsächlich um Bares geht. Wer seine Kirchensteuerzahlungen über den Zeitraum seiner gesamten Kirchenmitgliedschaft aufaddiert, wird da auf nicht unbeträchtliche Beträge kommen. Ein Bildungsangebot der örtlichen Volkshochschule ist jedenfalls im Vergleich ein Schnäppchen für den, der nur das Bildungsangebot sucht und die im Preis enthaltenen anderen Service-Leistungen wie Gottesdienst-Durchführung und Lebensbegleitung in Form von Kasualgottesdiensten (zunächst) nicht beziehen möchte. Für die Neukunden-Gewinnung ist es ein schweres Handicap.

Mediaplan

 

Was Promotion angeht, ist Kirche allerdings bestens aufgestellt. Kein Wunder, schliesslich ist Kommunikation ihr Kerngeschäft. Kein Verlautbarungskanal, der nicht genutzt würde. Selbst unabhängige Presse und Rundfunkanstalten sind zugänglich. Die Zahl der Veröffentlichungen zu Glaubensfragen und der Stellungnahmen zu gesellschaftlichen Themen ist unüberschaubar. Der nächste Kinderbibelnachmittag ist ebenso eine Meldung wert wie der Völkermord an den Hereros. Kirche trägt damit beständig und kraftvoll zum Informationsgrundrauschen bei, hebt sich aber nur selten davon ab. Sie dient so der Selbstvergewisserung, aber wenig dem Auftrag. Zielgerichtete Mediaplanung jedenfalls sieht anders aus.

 

 

 

 

 

 

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